Der Tarot - Signifikator |
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Der Narr also als erste Karte verkörpert die kindliche Unschuld, aber auch die wieder kindliche Reife des Alters. Ein Säugling weiss sehr viel, mehr als man ahnt, kann sich aber nicht alleine durchs Leben bringen. Er benötigt Helfer, Menschen, die ihn lieben und sich um ihn und für ihn sorgen. So ergeht es auch dem gebrechlichen Greis, der zwar viel weiss und kann, der aber auch auf Hilfe und Unterstützung angewiesen ist. Das Wesen dieser Karte ist also Sympathie und Hilfe zu erringen. Dazu braucht man Fantasie, Kreativität und ein freundliches Wesen. Man darf nicht zu misstrauisch sein, eher unbekümmert, sorglos, vertrauensvoll und vor allem voll Glauben an das Gute. Je nach Wesensart kann der eine oder andere die Sympathie der Helfer mit verschiedenen Mitteln erhalten: mit immer wieder neuen Einfällen, mit Geschenken, mit einem Lachen, mit Überraschungen oder auch mit Tricks und spielerischen Verführungen. Dazu gehört eine Menge Mut, viel Neugier und Offenheit der Sinne für das Geschehen um ihn herum.
In der zweiten (oder besser ersten) Ebene geht es um das Finden der Souveränität und den eigenen Platz in der Welt. Wieder je nach Wesen gibt es da z.B. den Typ des Magiers, der gerne eine geheimnisvolle Aura um sich aufbaut und eher ein Einzelgänger ist. Er ist einer, der forscht, studiert und experimentiert - mit sich selbst und mit Dingen und Mitmenschen. Er ist relativ egozentrisch und sehr ehrgeizig, er möchte Wissen und Macht erlangen. Die Hohepriesterin ist eine Art Pendant zum Magier: unabhängig, stark, auf der Suche - aber auch wild, neugierig und in allem sehr intuitiv, verinnerlicht und sie wirkt (so wie der Magier) auf andere betörend. Herrscherin und Herrscher sind dagegen mehr Du-bezogen. Sie gehen schon mehr von sich selbst weg zu einer humanitär-sozialen Einstellung. Sie brauchen Gemeinschaft, Familie oder zumindest das Erlebnis einer Partnerschaft. Sie wollen sich kümmern, nützlich sein, für sich und andere sorgen und sind dabei vor allem auf Ab-Sicherung (auch materiell) gepolt. Der Hohepriester ist trotz seiner Bezeichnung keine wirkliche Ergänzung zur Hohepriesterin, obwohl auch er vor allem Erkenntnis sucht. Doch bei ihm sind Wissens- und Forscherdrang schon abgeschwächt, da er meint, bereits (fast) alles zu kennen. Er ist in dieser Persönlichkeitsebene ein Lehrer, Richter oder eben einer, der Grundsätze und Dogmen aufstellt. Das unterscheidet ihn vom Magier, der sich an nichts hält und eine Wahrheit von heute schon morgen fallen lassen und revidieren kann. Die Achse von der 21/Universum über die 0/Narr zur 1/Magier ist eine sehr wichtige: man kann sie sich wie die Zahlengrenze vorstellen. Wenn eine der beiden Achsen Plus symbolisiert, hat die andere automatisch eine Minus-Kennzeichnung. Kommen zwei Personen mit je einer dieser beiden Signen zusammen, hat das immer einen brisanten Charakter. Das kippt dann wie bei einer Acht an der 11/Kraft. Zur besseren Veranschaulichung hier eine Skizze: Die jeweiligen Achsenpaare, also z.B. 3 und 19 oder 7 und 15 ergeben immer die 22, also die Tarot-Null. Das heisst, sie sind im Grunde unvereinbar, da sie NICHTS ergeben (oder Unsinn, je nachdem). So kann man aber auch andere Signen zusammenzählen, wie z.B. die 4 mit der 14, was eine 18 ergibt - oder eine 8 mit einer 20, was dann 10, bzw. 1 zur Folge hat, auch eine 17 mit einer 16 z.B. - was dann eine 6 ergäbe usw. Jeder kann das nach Belieben weiterspinnen oder selbst studieren, ich würde mich über entsprechende Überlegungen freuen >>> Die Hohepriesterin kann als ein weibliches Pendant zum Magier gesehen werden. Ein Charakter, der sich um das Innenleben mehr kümmert, als um äusseren Schein. Auch ein Wesen mit eher selbstbezogener Intention. Die Herrscherin, der Herrscher - sie verkörpern dann mehr das Interesse an äusserem Einfluss, an einer guten Stellung in der materiellen Welt, an Wohlstand usw. - aber auch am Aufbau einer Familie, als Grundstock und Keimzelle der Gesellschaft. Der Hohepriester ist noch einen Schritt weiter am Zusammenhalt dieser Gesell- oder Gemeinschaft interessiert. Dieser Charakter (oder ein Mensch in dieser Lebensstufe) will Strukturen erkennen, aufbauen, Gesetze festlegen und Verantwortung übernehmen. Er wirkt vielleicht etwas starr, aber er hat sich für etwas verpflichtet, ist einer Sache, einem Menschen gegenüber verbindlich und trägt zur allgemeinen Ordnung bei.
Die nächste Ebene bringt die ersten grossen Herausforderungen und Unvorhergesehenes im Leben. Zuerst geht es um eine Entscheidung - im Tarot ganz klassisch zwischen Gut und Böse. Jeder weiss, was damit gemeint ist. Man steht im Leben oft vor solchen Fragen, und muss sich letztlich im Sinne seines persönlichen Gewissens entscheiden, sonst geht es übel aus. Als nächstes folgt der Wagen. Je nach Art der Entscheidung fährt er zum Sieg oder direkt ins feindliche Lager. Dieser Lebensabschnitt oder Wesenszug ist geprägt von Konkurrenz, von ehrgeizigem Streben, von Ringen um Anerkennung und den Versuch, gehört oder gesehen zu werden. Gleich danach folgt ziemlich logisch die Karte der Gerechtigkeit - hier wird je nach Art der Entscheidung oder der Mittel, die man "im Kampf" benutzt hat, eine Lösung von aussen kommen, die entweder versucht, einen Irrweg zurechtzurücken oder den richtigen Weg bestärkt.
Die mittlere Ebene ist eine ganz Besondere. Es handelt sich um besondere Zahlen und die fünf Karten haben mit Kraft, Magie und Transzendenz zu tun. Der Eremit und der Tod als Begrenzer der eigentlichen Kraftkarten sind beides Ruhephasen vor oder nach der "magischen" Zeit. Im Hinblick auf die vorherige Ebene ist der Eremit ein Sich-Sammeln nach aufwühlenden Ereignissen, ein frei- oder unfreiwilliges In-Sich-Gehen, ein Schritt hin zur Weisheit und Besonnenheit. Oder es ist eine verdiente Ruhephase nach einer harten Zeit. Der Tod als ist ähnlich zu sehen. Hier legt man mehr ein altes Kleid ab, es geht um Erneuerung, um Sich-In-Frage-Stellen und um neue Sichtweisen. Die drei Karten dazwischen sind voll Magie. Das Rad des Lebens dreht sich, wenn das Schicksal dies vorsieht - es kann das bisherige Leben zum Vor- oder zum scheinbaren Nachteil ändern. Eigene Umsicht und viel Mut und Kraft sind gefragt. Die nächste Karte heisst dann auch so: die Kraft. Sie ist die Doppel-Eins und daher die eigentliche Magie-Karte. Wenn man aufmerksam durchs Leben gegangen ist, kann man die erworbenen Kräfte jetzt gut einsetzen. Der Gehängte stellt ebenfalls alles in Frage und äussert sich je nach der persönlichen Entwicklung positiv oder negativ. Ein Wesen, das den Gehängten verkörpert, ist auch voller Magie, denn er ist einer, der immer nachfragt, der aufrührt, verändert, irritert und verunsichert. Er ist der Revolutionär des Tarot.
Nach der Erneuerung fragt das Schicksal nach: Lebt man mit und für oder gegen sich und die Menschen? Die Mässigung zwingt alles Ausufernde in die für den Einzelnen vorhergesehenen Grenzen. Das geht nicht ohne Verluste oder Enttäuschung. Der Teufel ist (ähnlich wie die Sechs) eine Versuchung, eine Herausforderung, eine Entscheidungsfrage. Der Turm zeigt dann, ähnlich wie die Sieben, ob man sein Leben stabil gebaut hat oder ob alles auf wackligem Fundament steht. Diese Phasen sind hart, können aber zum Lernen und zur Bewusstseinserweiterung gut genutzt werden.
Die letzte Ebene hat wieder mehr mit dem inneren Universum zu tun, mit unserer Seele, mit unserer Fähigkeit, auch Hinter- oder Tiefgründiges zu begreifen, mit Verständnis für das Zusammenspiel zwischen "Himmel und Erde". Die Sterne zeigen eine Verflechtung zwischen "Oben und Unten", der Mond spürt die dunklen, verborgenen Seiten in uns auf, er konfrontiert uns aber auch mit diesen Seiten unserer Mitmenschen. Die Sonne belebt und kräftigt die Schwachen oder nach einer schweren Zeit, sie klopft aber auch der Überheblichkeit auf die Schulter, sollte man sich zu sicher oder grossartig wähnen. Sie ist daher auch eine magische Kraftkarte. Das Gericht oder die Auferstehung ist eine Chance nocheinmal alles zu revidieren, neu zu ordnen, sie verbindet die Acht und die Zwölf - also Gerechtigeit und Umsturz. Je nach Wesen oder bisherigem Lebensverlauf fällt das Urteil hart oder milde aus. Das Universum, die Welt als krönender und positiver Abschluss im Kreis des Tarot, soll Hoffnung vermitteln oder steht für die Früchte, die man erntet - je nachdem. |
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Tarot-Karten legen lassen von Angelika >>>